Unser Gemeindeheimatpfleger

Seit nun drei Jahren ist Peter Seebauer unser Heimatpfleger als Nachfolger von Ernst Kistler, der diese Tätigkeit aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr ausüben konnte. Ernst Kistler haben wir unser Heimatmuseum im Wolfschneiderhof zu verdanken, ja auch den Kauf und die Renovierung des Wolfschneiderhofes, denn durch seine „Sammelwut“, all das, was viele Leute nicht mehr wollten oder brauchten, aufzuheben, und durch ihre Ausstellung einen Einblick in das Leben vergangener Zeiten zu gewähren, benötigte die Gemeinde entsprechende Räume.

Peter Seebauer ist ein so genannter alteingesessener Taufkirchner. Er ist hier aufgewachsen, hat hier die Volksschule besucht, die ersten drei Jahre im so genannten „alten Rathaus“ und das vierte Schuljahr im alten Schulaus am Hachinger Bach, das die Gemeinde 1864 erbaut hat, nachdem in Bayern seit 1809 die Schulpflicht eingeführt worden war. Danach durfte er jeden Schultag mit der Eisenbahn nach München fahren, um das Wilhelmsgymnasium zu besuchen, wo er dann 1965 sein Abitur machte, um dann an der TH und der Uni Chemie und Biologie für das Lehramt an Gymnasien zu studieren. Nach dem 1. Staatsexamen 1970 und dem 2. im Jahr 1972 war er bis 1978 Lehrer in Pasing und wurde dann Lehrer am Unterhachinger Gymnasium.

1969 hat er mit dem Kögl Hans die Wahl zum ersten Pfarrgemeinderat von St. Johannes vorbereitet und war dann auch einige Zeit sein Vorsitzender. 1971 wurde er bei der Gründungsversammlung der Volkshochschule zum Vorsitzenden gewählt, was er bis heute geblieben ist. 1972 wählten ihn die Taufkirchner in den Gemeinderat, dann noch viermal, so dass er bis 2002 im Gemeinderat war. 1978 und 1984 wählten ihn die Gemeinderatskollegen für jeweils 6 Jahre zum 3. Bürgermeister und 1996 zum 2. Bürgermeister. Von 1978 bis 1990 arbeitete er daran, die Gemeindepartnerschaft mit Meulan mit Leben zu erfüllen unterstützte danach bis 2002 seinen Nachfolger Toni Almer darin. Seit seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat schreibt er an Geschichten zur Geschichte Taufkirchens, denn als Lehrer, so sagt er, hat er ja auch nur Geschichten erzählt, was ihm auch bei den Führungen durch das Heimatmuseum zu Gute kommt.

Die Vorfahren seiner Mutter Maria-Elisabeth Seebauer, geborene Kastenmüller, stammen vom Seppenschuster im Taufkirchner Ortsteil Westerham ab, das der Schuhmachermeister Friedrich Naar 1850 kaufte. August Koch schreibt über Peter Seebauers Ururgroßeltern: „An die damaligen Seppenschusterleute erinnere ich mich noch sehr gut. Der kleine Mann war behaftet mit einem starken Doppelhöcker, der sicher zu seinem Gewerbe schlecht passte, respektive das viele Bücken viel dazu beitrug, dass sein Rücken so gekrümmt wurde. Die Meisterin aber war eine selten neugierige Frau. Ich hatte immer Angst, wenn ich zu dem Schuster gehen musste, über die bevorstehende Inquisition.“ Ihre Tochte Elisabeth Naar heiratete den Schuhmacher Paul Kastenmüller aus Sauerlach und hatte nach August Koch fünf Kinder, von denen nur zwei überlebten, nämlich Paul, der Peter Seebauers Großvater war, und dessen Schwester Katharina.

Peter Seebauers Vater, Anton Seebauer, stammte aus München, wo er in der Au - und wie Karl Valentin - in der Entenbachstraße aufwuchs und nach der mittleren Reife einen kaufmännischen Beruf erlernte. Mehr jedoch dürfte sein Vater den alten Taufkirchnern als hervorragender Musiker in Erinnerung sein, leitete er doch in den 50er Jahren eine kleine Kapelle, die bei Faschingsbällen, Hochzeiten oder 1960 bei der Einweihung der Schule an der Dorfstraße aufspielte. Dessen Vater Martin Seebauer war übrigens ebenfalls gelernter Schuster und stammte aus Seyboldsdorf bei Vilsbiburg in Niederbayern. So bezeichnet sich Peter Seebauer gerne als eine ober- und niederbayerische Mischung und betont, dass er auch noch einen Migrationshintergrund hat, weil an seinem Stammbaum auch ein Süditaliener oder Sizilianer beteiligt war, der um 1800 in Straubing als Stuckateur tätig war und dort eine Lehrerstochter ehelichte.