"HOAMAT BEGEGNEN" Teil 5

Johannidult - unser traditioneller Markt mit Geschichte

Seit vielen Jahren gehört die Johannidult der Freunde des Wolfschneiderhofs zum festen Bestandteil der geselligen Veranstaltungen im Jahreslauf. Viele freuen sich auf einen sonnigen Sonntag in der weitläufigen Gartenanlage des Heimathauses. Die Dult ist ein beliebter Rahmen für Begegnungen der Familien, Freunde und Bekannten jeden Alters. Und ausgerechnet so ein Publikumsmagnet kann heuer zum allergrößten Bedauern der Veranstalter wegen einem "fiesen Virus" nicht stattfinden. Als kleinen Trost habe ich Ihnen ein paar schöne "Augen-Blicke" aus den vergangenen Jahren und einiges zur Geschichte unserer Dult zusammen gestellt.

Freuen Sie sich mit mir an den Erinnerungen und auf eine gelingende Johannidult im nächsten Jahr.

Mit herzlichen Grüßen

Michael Müller

Der Scherenschleifer bei der Dult 2013.

 

Die Taufkirchner Blaskapelle sorgte 2014 bei herrlichem Sonnenschein für den zünftigen musikalischen Rahmen.

 

Und die Plätze auf den aufgestellten Bänken waren auch 2014 heiß begehrt.

2015 war das Wetter durchwachsen. Dennoch hatte der Schützenverein an seinem Laserschießstand interessierte Besucher.

Auch 2017 freuten sich die Schafe auf die Streicheleinheiten der Kinder.

Wolle, soweit das Auge reichte. Und 2018 kamen viele Augenpaare zum Schauen und Kaufen.

Die oberbayerischen Handspinnerinnen bereicherten auch 2018 das Angebot.

Zu jeder "gescheiten Dult" gehören leckere selbstgebackene Kuchen, so auch 2018.

Ein traditioneller Stand, der auch 2018 vertreten war: selbstgewebte Tischdecken. Ein schönes Mitbringsel von der Dult.

Hochfrequentierte "Zapfsäule". Jedes Jahr der gleiche Treffpunkt für die Durstigen. Auch 2019.

Die "Schminkmeisterin" bei der konzentrierten Arbeit. Eine beliebte Station der Kinder bei der Dult 2019.

Und das hölzerne Bauernpaar hält Ausschau nach weiteren Besuchern.

Am 25. Juni 1906 berichtete die "Münchner Vorort-Zeitung": "Hoch ging es her gestern am Johannitag, unserem kleinen Kirta! Am Vorabend schon dröhnten die mächtigen Böller mit einer Wucht, dass die Nachbardörfer schier vermeinden, es habe eingeschlagen ...".

Der Berichterstatter streicht in seinen Ausführungen heraus, dass die kirchlichen Festlichkeiten im Mittelpunkt dieses Tages standen. In der Nähe der Pfarrkirche St. Johannes und der Gaststätte "Zum Trenner" fand in dieser Zeit zu Johanni am Kirchplatz eine "Kirchweihdult" statt, die wohl aus "ein paar fliegenden Ständen" bestand.
In den einzelnen Haushalten wurde, so der Bericht, kräftig und deftig aufgetischt. Die Mutter stand schon "seit frühen Morgen hochroten Kopfes am Herde ... und "siedet und kocht und backet und bratet in einem fort ohn Ende und Ende, als gälte es wahrhaftig, ein ganzes Regiment heute auszuhalten."

In sehr lebendiger und bildhafter Sprache schildert die "Münchner Vorort-Zeitung" diesen herausgehobenen Festtag im Jahreslauf des dörflichen Geschehens zu Taufkirchen anno 1906.
"Dazu floß Bier in Strömen und für die Frauen Kaffee ohne Ende mit Krapfen und zur Abwechslung Limonaden."

Nach Aussage von Josef Geisenhof sen., seines Zeichens Bürgermeister unserer Gemeinde von 1966 bis 1972, fand noch bis 1916 in Taufkirchen eine Johannidult statt.

Der Förderverein Freunde des Wolfschneiderhofes belebte diese alte Tradition vor vielen Jahren wieder.
Die Johannidult in ihrer heutigen Form ist ein beliebter Treffpunkt von Jung und Alt. Wenn das Wetter es zulässt, bietet das weitläufige Anwesen einen stimmungsvollen Rahmen, um bei Schmankerln vom Grill, Schweinebraten und Kaffee und Kuchen alte Bekannte zu treffen und auch neue Bekanntschaften zu schließen.
Die Verkaufsstände bieten handgefertigte Textilien an, es gibt heimischen Honig vom örtlichen Imker und "Weberinnen" zeigen ihr handwerkliches Können. Die kleinen Besucher werden nach ihren Wünschen kunstvoll geschminkt.
Über viele Jahre waren insbesondere der Schäfer mit seinen "Streichelschafen" und der Scherenschleifer besondere Publikumsmagneten.

Mit der Johannidult gelingt den Freunden des Wolfschneiderhofes, eine alte Tradition am Leben zu halten und gleichzeitig das Heimathaus zur Begegungsstätte der Taufkirchnerinnen und Taufkirchner zu machen. Darüber hinaus ist die Dult inzwischen auch bei vielen außerhalb der Gemeindegrenze sehr beliebt. Zahlreiche Besucher der Johannidult nutzen auch die Gelegenheit, sich durchs liebevoll eingerichtete Heimatmuseum führen zu lassen.

Unsere Johannidult ist somit ein Markt mit Geschichte, dessen Geschichte weiter geht...

Die Taufkirchner Johannidult - jedes Jahr einfach schee...

 

Quellen:

- Aufzeichnungen des ehemaligen Heimatpflegers, Peter Seebauer
- Wikipedia

Autor: Michael Müller, Gemeindeheimatpfleger, April 2020

 

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