Das Gebäude

Das Gebäude, das wohl aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt, wurde, wie damals in Oberbayern üblich, als so genannter Einfirsthof errichtet. Ausgerichtet in Ost-West-Richtung war er gänzlich in Holzblockbauweise erstellt worden.

Ursprünglich war das Dach mit Holzschindeln gedeckt. Nach Süden wurde es flacher konstruiert, um hierdurch die Sonneneinstrahlung stärker nutzen zu können sowie die Schneeschmelze im Winter zu beschleunigen. Nach Norden fiel das Dach steil ab, wodurch das Abrutschen des Schnees unterstützt wurde.

1923 wurde ein im Besitz der Eigentümer befindlicher Grundstücksstreifen südlich des "Taufkirchener Straßl", der heutigen Eschenstraße, verkauft, um mit dem Erlös dien Stall des Wolfschneiderhofes gemauert erstellen zu können. Auf der Westseite wurde ein gemauerter Querbau nach Süden hin errichtetet, die so genannte Remise, deren gemauerter Teil ursprünglich auch als Stall genutzt worden war.

1983 erwarb die Gemeinde nach dem Unfalltod der letzten Bewohnerin das Anwesen.

1985 eröffnete hier Taufkirchen das erste kommunale Heimatmuseum im Landkreis München.

Unser Heimatmuseum – alles andere als museal

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist heutzutage der Begriff „museal" meist abwertend besetzt. Viele fühlen sich an verstaubte Ausstellungsvitrinen und langweilige Besuche mit der eigenen Schulklasse erinnert.

So eine Version soll unser Heimatmuseum selbstredend nicht sein.

Ernst Kistler, der langjährige Gemeindeheimatpfleger hatte unser heutiges Heimatmuseum iniitiert und maßgeblich mit eingerichtet.

Heute führt ein engagiertes ehrenamtlich tätiges Museumsteam interessierte Besucher an den Öffnungstagen (jeweils 2. Sonntag im Monat) oder in spezieller Abstimmung durch die Räumlichkeiten des über 200 Jahre alten Bauernanwesens. Der Bauerngarten wird ebenfalls von Mitgliedern unseres Vereins liebevoll gepflegt und damit für die Gäste erhalten.

Den Museumsbesuchern werden die recht kargen Lebensverhältnisse der früheren Bewohner anschaulich vor Augen geführt und die althergebrachten Gerätschaften und Einrichtungsgegenstände, die heute vielen nicht mehr bekannt sind, in ihrer Funktionsweise und Bedeutung erläutert. Dabei erfahren die Zuhörer einiges aus der bewegten Ortsgeschichte Taufkirchens.

Die Freunde des Wolfschneiderhofes archivieren und dokumentieren den riesigen Bestand an Sammelobjekten fortlaufend. Daten und Bilder werden digitalisiert, um sie in vielfältiger Weise einsetzen zu können.

Mit neuen Ideen werden immer wieder Neugestaltungen der Präsentation angeregt, unterstützt und umgesetzt. Ziel ist es, „unser Heimatmuseum“ auch in Zukunft zu einer erlebbaren Bereicherung und einem festen Bestandteil des lokalen und regionalen Kulturlebens zu machen.

Die Erfahrung zeigt, dass hierfür zunehmend mehr Mitbürger jeden Alters erreichbar sind, von denen etliche auch bereit sind, sich aktiv einzubringen.

Genau dazu laden wir Sie alle ein:

  • die „Alteingesessenen“
  • die „Neuzugezogenen“
  • die „Schulkinder“
  • die jungen „Erwachsenen“
  • ebenso wie die Vereine und Organisationen am Ort!

Das Heimatmuseum

Der ehemalige Heimatpfleger Ernst Kistler hat in bewundernswerter jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit im gesamten bayerischen Voralpenland, bis hinein nach Österreich Einrichtungsgegenstände und Gerätschaften aus landwirtschaftlichen Anwesen zusammen getragen.

Sein erstes „Trum“, war, so er selbst: „der Pflug vom Stumpf Ted“. Es folgten unzählige weitere Gegenstände. So kamen Harfenzither zu Fliegenglas, Teeservice zur Nähmaschine, das Bügeleisen zum Nachthaferl und die Bauchwärmflasche zum Wagenrad, die Kuhkette zum Melkeimer, der Käserührer zum Schubkarren und die Mistgabel zum Futtertrog.

Insgesamt sind über 2.000 Ausstellungsobjekte zusammen gekommen, darunter viele althergebrachte hauswirtschaftliche Gerätschaften, die heute eher unbekannt sind.

Die Einrichtung des alten Bauernhauses gibt einen anschaulichen Einblick in die sehr kargen Lebensverhältnisse der ehemaligen Bewohner.

Etliche Exponate aus der Geschichte der Gemeinde zeigen die bewegten Entwicklungen vergangener Jahrzehnte auf.

Das Heimathaus ist jeweils am zweiten Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Unser engagiertes Museumsteam führt durch die umfangreiche Ausstellung und berichtet Wissenswertes und auch vieles bisher Unbekannte über den 200 Jahre alten Bauernhof, die damaligen, häufig ausgeprägt kargen, Lebensverhältnisse und auch über die Geschichte der Gemeinde.

       

Stube, Kammerl und Küch´ vermitteln anschaulich, wie "einfach" die Lebensverhältnisse der früheren Bewohner gewesen sind.

Fotos: Michael Müller

Im Rahmen der Bauarbeiten am Sport- und Freizeitpark wurden Anfang der 90er Jahre Gegenstände ausgegraben, die auf eine keltische Siedlung schließen ließen. An diesem Ort wurde das so genannte Keltenhaus errichtet. Mit dem Gemeindeheimatpfleger können hierfür gerne Führungen vereinbart werden.

Autor: Gemeindeheimatpfleger, Michael Müller, April 2020

 

Das Keltenhaus


Taufkirchen verfügt über keltische Wurzeln...

Als sichtbares Zeichen hierfür steht seit über 20 Jahren das "Keltenhaus" am Köglweg.
Es war das erste kommunale Freilichtdenkmal im gesamten Münchner Raum.
Die Rekonstruktion eines keltischen Hauses basiert auf den Funden, die im Rahmen der Baumaßnahmen im Sport- und Freizeitpark in den Jahren 1993/1994 zu Tage gefördert wurde.
Das "Keltenhaus" ging auf die Initiative des damligen Gemeindeheimatpflegers, Ernst Kistler, zurück und konnte dank der großzügigen Unterstützung des Bauträgers DEMOS verwirklicht werden.

Bei den Ausgrabungen stieß man auf bemerkenswerte Kulturzeugnisse aus der Jungsteinzeit (4.500 bis 1.800 v.Chr.), über die Kelten- bis zur Römerzeit. Somit kann von einer sehr frühen Besiedelung auf dem Gebiet unserer heutigen Gemeinde ausgegangen werden.

Unter anderem fanden die Archäologen Spuren einer keltischen Siedlung aus der Zeit zwischen 600 bis 300 v.Chr. mit zahlreichen Wohn- und Speicherbauten, Zaunreihen, Vorrats- und Abfallgruben sowie Feuerstellen.

Am originalen Fundplatz wurde ein so genanntes "Sechspfostenhaus" nachgebaut, ein zur damaligen Zeit typ- und größenmäßig in unserem Raum üblicher Haustyp.

Die damaligen Häuser waren ausnahmslos ohne Stein aus dem örtlich verfügbaren Bauholz der heimischen Wälder als Pfostenständerbauten konstruiert. Gebaut wurde in Form einer lehmverputzten Flechtwandausführung. Das Dach war mit Stroh bzw. mit Reet gedeckt. Das Reetdach des Nachbaus wurde von einer Berliner Fachfirma gedeckt, die sich auf originale Nachbildungen spezialisiert hatte.

An einer Innenwand des Gebäudes wird den Besuchern der nachgestellte Aufbau einer Flechtwerkwand gezeigt. Auf einigen Schautafeln im "Keltenhaus" wird die Archäologie im Hachinger Tal dargestellt. Hierbei handelt es sich insgesamt um ein vore- und frühgeschichtliches Siedlungsgebiet.

Führungen im "Keltenhaus" können mit dem Gemeindeheimatpfleger vereinbart werden.

Die Besucher erfahren dabei auch etliches über das Vorkommen der Kelten in den verschiedenen Zeitabschnitten ihrer Existenz, über die keltische Kultur und das Leben der damaligen Bewohner der gefundenen keltischen Siedlung.
Im süddeutschen Raum wurden vielfältige Funde der Kelten zu Tage gefördert, so das Opidum (Stadt) in Manching wie zahlreiche so genannte "Viereckschanzen", wie sie auch in Oberhaching zu sehen ist.

Autor: Gemeindeheimatpfleger, Michael Müller; April 2020