Der Wolfschneiderhof

Er ist ein typischer oberbayerischer Einfirsthof und eines der wenigen erhaltenen historischen Bauernanwesen Taufkirchens. 

August Koch schreibt in seinen handschriftlichen Hofbeschreibungen: „Von der Sixtmühle nordwärts gelegen, und nur durch die Breite der Vizinalstraße von dieser getrennt, und mit der Stirnseite nach Winning gewendet, liegt das so genannte Wolfeschneider-Anwesen.“

Nach seinen Ausführungen ist die „Hirwa“ (Herberge) älter als sie nach außen scheint. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Holzhaus, das mit einem so genannten „Rabitzverputz“ modernisiert wurde.

Die Bewohner, Söldner und halbe Bauern, so die Aufzeichnungen weiter, lebten in Armut. Schmalhans sei Küchenmeister gewesen und Krankheiten wie Lungenschwindsucht, Marasmus (allgemeiner Kräfteverfall) sowie Krebs seien häufig aufgetreten.

Direkt daneben, quasi als sichtbarer sozialer Kontrast, war der stattliche Pfarrhof der Pfarrei St. Johannes der Täufer gelegen.

Um 1800 wies Taufkirchen rund 600 Einwohner auf.

Am 29. Oktober 1805 stirbt  einer der letzten Bewohner des Wolfschneiderhofes, Josef Zistl, im Alter von 51 Jahren. Am 3. Februar 1806 heiratet dessen Witwe Anna, geboren am 16. März 1761, Valentin Seidl, welcher zu Furth bei Oberhaching geboren war. Sein Haus nannte man „Beim Lang“. Anna Seidl starb als erste „Seidlin“ bereits  mit 46 Jahren am 16. April 1807. Valentin Seidl heiratet zum zweiten Mal. Der nächste „Wolfeschneider“ wurde dessen Sohn Josef, geboren am 12. November 1809, eines von vier Kindern.


Josef heiratete am 8. November 1835 Maria Zimmermann, Bauerstochter zum Sattler in Westerham. Nach den Aufzeichnungen der alten Pfarrherren ruhte auf dem Hause seit Menschengedenken der Dienst eines Mesners und Gemeindedieners.
Josef Seidl wiederum hatte vier Kinder. Sohn Johann vermählte sich am 28. Juni 1873 mit Ursula Hinterholzer, Hojacktochter von Bergham, die am 11. Juni 1845 geboren war.


Ihr Besitz umfasste 21,5 Tagwerk. Sie hatten gemeinsam 7 Kinder, von denen jedoch nur 3 am Leben geblieben sind. Alle drei  waren ledig. 
Eine der beiden Töchter bekam ein uneheliches Kind. Anna erblickte am 5. November 1900 das Licht der Welt. Sie lebte mit ihrem Onkel und ihren beiden Tanten als letzte Bewohner auf dem Anwesen. In den 20er Jahren gehörten fünf Stück Großvieh und fünf Stück Kleinvieh zum Hof. In den letzten 20 Jahren ihres Lebens war Anna Seidl nur noch umgeben von Hühnern und Katzen. Sie verstarb am 7. April 1982 an den Folgen eines tragischen Verkehrsunfalls.

Initiiert von Ernst Kistler, dem langjährigen Gemeindeheimatpfleger, und dem ehemaligen Ersten Bürgermeister, Dr. Walter Riedle, erwarb die Gemeinde Taufkirchen nach kontroverser Diskussion im Gemeinderat 1983 das Anwesen. 
1985 wurde das Heimathaus, das ein Heimatmuseum mit über 1.500 Ausstellungsobjekten beherbergt, der Öffentlichkeit übergeben.

Das Anliegen der Initiatoren war es, sowohl bei der alteingesessenen  Einwohnerschaft von „Alttaufkirchen“ als auch bei den neu Zugezogenen Interesse für geschichtliche und soziale Zusammenhänge im 19. Jahrhundert zu wecken.
Viele Besucher, insbesondere auch zahlreiche Schulklassen, zeigen, dass dieses Anliegen erfolgreich umgesetzt werden konnte.

1985 wurde der Wolfschneiderhof als Heimathaus der Gemeinde Taufkirchen eröffnet.

Der Stadelraum wurde bei Renovierung und Ausbau so umgestaltet, dass er als Treffpunkt für gesellige und traditionelle Veranstaltungen genutzt werden kann.